NATURWUNDER AN DER BERGSTRASSE

Auf dem ca. 5,4 Hektar großen Gelände der ehem. Vitos-Klinik befindet sich das Arboretum Heppenheim. Ein Park zum Lustwandeln, wie in einem Schlossgarten, mit geschwungenen Wegen, die Weite und Raum inszenieren und mit Pflanzen des Orient und des Fernen Ostens.
Das milde Klima der Bergstraße lässt Arten gedeihen, die sonst in Mitteleuropa kaum zu finden sind. Die Bäume erreichen Höhen von rund 
20 Metern und Kronendurchmesser von bis zu 28 Metern. Es vergeht kaum ein Monat ohne Blüten- oder Blätterpracht. Im März vertreiben die leuchtend grünen Blüten des Spitz-Ahorns den grauen Winter, im Mai/Juni blüht der Tulpenbaum, im Oktober erfreut der Amberbaum 
mit seiner tiefroten Blattfärbung.

EXOTEN DES ARBORETUMS

Mit dem Erhalt des Arboretums tragen wir auch dazu bei, seltene 
Pflanzen auf dem Areal zu schützen. Die Atlas-Zeder wurde 2013 in 
die Liste der gefährdeten Pflanzenarten aufgenommen.

Vom Lebensbaum – auch Thuja genannt – wurden ca. ein Dutzend 
Bäume im Rondell vor dem Maiberg-Flügel angepflanzt. Dieses Ensemble steht in der Liste der geschützten Naturdenkmale.

Neben den bereits vorhandenen Baumriesen, wie Blauglockenbaum, Götterbaum, Gingko, Amberbaum, Trompetenbaum und Tulpenbaum werden Neupflanzungen wie Pagoden-Hartriegel, Seidenbaum und 
Taschentuchbaum das Arboretum bereichern.

Details über die besonderen Bäume des Arboretums finden Sie in 
dem Buch »Garten für die Seele«

Die Gattung Gingko ist im Arboretum mit drei Exemplaren vertreten. Er gilt als das berühmteste lebende Fossil. Bis heute ist er für Kunst, Kultur und Heilkunde von großer Bedeutung und wird als kraftspendend und lebensverlängernd verehrt.

ATLAS-ZEDER
Cedrus atlantica cv. ,Glauca‘


Fig. 1
    Ast mit weiblicher Frucht
Fig. 2     Ast mit männlicher Blüte (verblüht)
Fig. 3     Samen


Gigant der Afrikanischen Alpen // Die Atlas-Zeder ist auf den kühlen Nordhängen des gleichnamigen Faltengebirges heimisch, das sich etwa 2300 Kilometer quer durch die Maghreb-Staaten Nordafrikas zieht. Auf 1000 bis 1800 Metern Seehöhe bildet sie überwiegend Reinbestände, ab 1400 bis 2200 Metern wächst die bis zu 50 Meter hohe Art in Gruppen oder vergesellschaftet sich mit Eiben, afrikanischen Tannen und einigen Laubbäumen. Die harten Nadeln sind sehr spitz, und die bauchigen, braunen Zapfen stehen mit hohem Zierwert aufrecht auf den Zweigen wie Kerzen.

Systematik Atlas-Zeder hier: Blaue Atlas-Zeder (Zuchtform)
Familie: Kieferngewächse (Pinaceae), immergrün
Herkunft: Afrika (Algerien, Marokko, Tunesien, Atlas-Gebirge)
Größe: 15 bis 25 (40) m hoch, 10 bis 15 (20) m breit, am Naturstandort bis 50 m hoch
Alter: 100 bis 150 (900!) Jahre



Atlas-Zedern gibt es im Arboretum Heppenheim zweimal, davon wächst ein Exemplar in Baumform (das andere ist eine strauchförmige, hängende Pendula-Sorte). Der stattliche Baum mit etwa 15 Metern Höhe stammt vermutlich aus der Entstehungszeit und wächst im nördlichen Innenhof des Areals.


LEBENSBAUM
Thuja occidentalis L.


Fig. 1
    Zweig mit weiblichen Blüten und Zapfen
Fig. 2     Zapfen
Fig. 3     Blattrückseite
Fig. 4     Früchte


Die falsche Zypresse // Der Lebensbaum ist entwicklungsgeschichtlich ein Abkömmling oder naher Verwandter von fossilen Vorgängern, die sehr ähnlich aussahen. Er wurde bereits um 1536 nach Europa eingeführt. Aufgrund seiner schmalen, hohen Erscheinung konnte der immergrüne Baum in den gemäßigten, feuchten, kühleren Lagen Mitteleuropas als Zypressen-Ersatz gepflanzt werden. Sein (blick-)dichter Wuchs machte ihn außerdem zu einer beliebten Heckenpflanze, die 
ab den 1970er Jahren massenhaft in Gärten Einzug hielt. Kleinere, gezüchtete Exemplare von insgesamt etwa 300 benannten Formen sind praktisch auf allen Friedhöfen gepflanzt und stehen dort symbolisch 
für das „ewige Leben“. Lebensbäume werden etwa 180 Jahre alt.

Systematik Lebensbaum hier: Abendländischer Lebensbaum
Familie: Zypressengewächse (Cupressaceae), immergrün
Herkunft: Amerika (Osten Kanadas, Nordosten der USA)
Größe: 15 bis 20 m hoch, 3 bis 4 (6) m breit, Bäume ab 10 m Höhe sind sturmgefährdet.
Alter: bis 180 Jahre
Toxizität: SEHR GIFTIG!

TASCHENTUCHBAUM
Davidia involucrata BAILL.



Fig. 1
    Zweig mit Blüten und Blättern
Fig. 2 bis 5 Früchte in verschiedenen Phasen

Zum Abschied winken // Wer früher Angehörige und Freunde am Bahnhof, Bus oder Auto verabschiedete, winkte ihnen mit einem weißen Stofftaschentuch nach, in der Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen; oder auch, um sich zwischendurch die Tränen trocknen zu können. // Diesem traurig-melancholischen Bild verdankt der Taschentuchbaum, der in China auch „Aufwiedersehenbaum“ genannt wird, seinen Namen. Er leitet sich botanisch nicht etwa von den Blüten ab, sondern von sehr großen, weißen, so genannten Hochblättern, die um die eigentliche Blüte herum sitzen. Aufgrund ihrer attraktiven, papierähnlichen Form wirken sie aus der Nähe wie Taschentücher, aus der Ferne wie ein Schwarm weißer Tauben, der sich in der Krone niedergelassen hat.

Systematik Taschentuchbaum:
auch „Aufwiedersehenbaum“ oder Taubenbaum
Chinesischer Name:  (gong tong)
Familie: Hartriegelgewächse (Cornaceae)
Unterfamilie: Tupelogewächse (Nyssaceae)
Herkunft:
Asien (Westchina)
Größe: 8 bis 15 m hoch und 7 bis 10 m breit
Alter: ca. 60 bis 100 Jahre



Der Taschentuchbaum wird im Arboretum Heppenheim neu hinzu gepflanzt. An exponierter Stelle ist er somit ein Symbol für Begrüßungs- und Verabschiedungsszenen, die für rund 150 Jahre hier auch das Alltagsbild prägten.